Mietvertragliches Ankaufsrecht geht nicht automatisch auf den Erwerber über
Real Estate Praxistipp zu BGH, Urteil vom 12.10.2016; Az. XII ZR 9/15

Der ursprüngliche Eigentümer schließt einen gewerblichen Mietvertrag mit der Beklagten ab, der auch ein Ankaufsrecht zugunsten der Beklagten enthält. Die Vertragsparteien verpflichten sich, die Rechte und Pflichten aus dem Ankaufsrecht bei Veräußerung der Immobilie an den Rechtsnachfolger weiterzugeben. Eine dingliche Sicherung des Ankaufsrechts durch eine Vormerkung erfolgt jedoch nicht. Der ursprüngliche Eigentümer veräußert das Grundstück danach an die Streithelferin, die die Pflichten aus dem Ankaufsrecht einschließlich der Weitergabe-Verpflichtung übernimmt. Schließlich erwirbt die Klägerin das Grundstück, jedoch ohne ausdrückliche Übernahme der Verpflichtungen aus dem Ankaufsrecht. Der BGH entscheidet aus folgenden Erwägungen, dass die Klägerin auch nicht gemäß § 566 Abs. 1 BGB („Kauf bricht nicht Miete“) an das Ankaufsrecht des Mieters gebunden ist:

  • Die Regelung enthält eine Durchbrechung des schuldrechtlichen Grundsatzes, wonach Rechte und Pflichten nur zwischen den am Schuldverhältnis beteiligten Personen entstehen. Sie legt dem Mietverhältnis für den Fall der Veräußerung des Mietgrundstücks also eine dingliche Wirkung bei, indem sie mit dem Übergang des Eigentums am vermieteten Grundstück auf den Erwerber auch die Vermieterrechte und -pflichten auf diesen übergehen lässt. Als Ausnahmevorschrift ist sie daher eng auszulegen und nur anzuwenden, soweit der mit ihr bezweckte Mieterschutz (Sicherung des Gebrauchs der Mietsache zu unveränderten Bedingungen) dies erfordert.
  • Eine enge Auslegung des § 566 Abs. 1 BGB ist auch mit Blick auf das Eigentumsrecht des Erwerbers geboten. Die verfassungsrechtlich geschützte Freiheit des Eigentümers, sein Eigentum nach seiner freien Entscheidung zu nutzen, würde bei einer weiten Auslegung erheblich eingeschränkt werden, ohne dass der Schutz des Mieters dies erfordert.
  • § 566 Abs. 1 BGB erfasst daher nur solche Rechte und Pflichten, die als mietrechtlich zu qualifizieren sind oder die in einem untrennbaren Zusammenhang mit dem Mietvertrag stehen, wobei bei Letzterem hinzukommen muss, dass sie ihrem materiellen Gehalt nach als dem Mietrecht zugehörig zu qualifizieren sind. Der Erwerber tritt daher nicht in Rechte und Pflichten ein, die außerhalb des Mietverhältnisses liegen, selbst wenn sie als zusätzliche Vereinbarung im Mietvertrag geregelt sind, wie bspw. die Einräumung eines dinglichen Dauerwohnrechts oder des hier vereinbarten Ankaufsrechts.
  • Dem entspricht es im Übrigen, dass die Vertragsschließenden es hier selbst für möglich gehalten haben, dass die aus dem Ankaufsrecht herrührenden Rechte und Pflichten nicht ohne Weiteres kraft Gesetzes auf den Erwerber übergehen würden. Denn sie haben im Mietvertrag ausdrücklich geregelt, dass die im Vertrag eingegangenen Verpflichtungen auf die jeweiligen Rechtsnachfolger zu übertragen sind.

PSP-Praxistipp:

Der allseits bekannte Grundsatz „Kauf bricht nicht Miete“ bewirkt keinen umfassenden Übergang des gesamten Mietvertrages und aller darin enthaltenen Rechte und Pflichten auf den Erwerber. Verkäufer und Erwerber müssen sich daher im Vorfeld des Kaufvertrages genau informieren, welche Rechte und Pflichten automatisch übergehen und welche durch ausdrückliche Übernahmevereinbarung geregelt werden müssen. Aus Mietersicht ist darauf zu achten, Rechte gegebenenfalls dinglich – etwa durch Eintragung einer Vormerkung im Grundbuch – zu sichern.

Diese News könnten Sie auch interessieren
Alle News
Mehr laden
Diese Vorträge & Veröffentlichungen könnten Sie interessieren
Mehr laden