Neues zum BilRUG
Reform der Umsatzerlöse

Dieser Beitrag befasst sich mit dem 2015 in Kraft getretenen Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRUG), welches unter anderem eine Neudefinition der Umsatzerlöse mit sich bringt. So entfällt die Begrenzung der Umsatzerlöse auf Erlöse der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit, was künftig regelmäßig zu einer Ausweitung der Umsatzerlöse führen dürfte. Diese kann insbesondere Auswirkungen auf die Bestimmung der Größenklasse entsprechend § 267 HGB haben.

Mit dem zum 23.07.2015 in Kraft getretenen Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRUG) ergaben sich erstmals seit dem Bilanzrichtlinien-Gesetz aus dem Jahr 1985 auch nennenswerte Änderungen der Vorschriften für den Ausweis der Posten in der GuV von Kapitalgesellschaften und diesen gleichgestellten Personenhandelsgesellschaften. Die wohl wesentlichste Änderung betrifft hierbei die Neudefinition der Umsatzerlöse. Bisher waren Erlöse nur unter den Umsatzerlösen auszuweisen, wenn diese der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit des Unternehmens zugeordnet werden konnten. Sogenannte atypische Erlöse wurden dagegen regelmäßig unter den sonstigen betrieblichen Erträgen ausgewiesen. Durch das BilRUG entfällt nun die Begrenzung der Umsatzerlöse auf Erlöse der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit, was künftig regelmäßig zu einer Ausweitung der Umsatzerlöse führen dürfte. Ein damit einhergehender Vorteil für den Bilanzierenden ist der Wegfall der im Einzelfall nicht immer eindeutigen und oftmals subjektiven Beurteilung, ob die Fertigung von Erzeugnissen, der Handel mit Waren und die Erbringung von Dienstleistungen als typisch für die Geschäftstätigkeit einzuordnen sind. Korrespondierend werden die sonstigen betrieblichen Erträge u. U. stark rückläufig sein; außerordentliche Erträge entfallen komplett.

Als Beispiele von Erlösen, die erstmalig nach BilRUG unter den Umsatzerlösen auszuweisen sind, können jene aus Vermietung und Verpachtung von nicht eigenbetrieblich genutzten Lagerhallen und Werkswohnungen, Kantinenerlöse oder Erlöse von erbrachten Dienstleistungen für Konzernunternehmen genannt werden. Buchgewinne aus dem Abgang von Anlagevermögen werden jedoch beispielsweise weiterhin unter den sonstigen betrieblichen Erträgen ausgewiesen. Als Kriterium für die Abgrenzung der sonstigen betrieblichen Erträge von den Umsatzerlösen dürfte insbesondere der fehlende konkrete Leistungsaustausch heranzuziehen sein. Ebenso sind konkrete Vorgaben im Gesetz (z. B. Ausweis von Währungsgewinnen) zu beachten.

Korrespondierend zum Ausweis der Umsatzerlöse und der sonstigen betrieblichen Erträge verändert sich ebenfalls der Ausweis der Materialaufwendungen bzw. Herstellungskosten und der sonstigen betrieblichen Aufwendungen. In der Bilanz hat die Ausweitung des Umfangs der Umsatzerlöse und der dem Umsatz zugeordneten Aufwendungen direkte Auswirkungen auf den Umfang der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, der sich jeweils entgegengesetzt zu den sonstigen Vermögensgegenständen und den sonstigen Verbindlichkeiten verändert. Des Weiteren ist im Einzelfall zu untersuchen, ob sich bei der Vorratsbewertung aufgrund der Änderungen bei den Materialaufwendungen bzw. Herstellkosten ein Anpassungsbedarf ergibt.

Die zu erwartende Ausweitung der Umsatzerlöse kann insbesondere Auswirkungen auf die Bestimmung der Größenklasse entsprechend § 267 HGB haben. Zu beachten ist zudem, dass bei einer fehlenden Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse infolge der erstmaligen Anwendung der neuen Umsatzerlösdefinition verschiedene Anhangsangaben notwendig werden. Bei Aufstellung eines Lageberichts können sich durch die BiLRUG-Umstellung ebenfalls weitergehende Angaben, wie etwa bei der Prognoseberichterstattung, ergeben. Schließlich ist anzumerken, dass sich aufgrund der Änderung des Umfangs der Umsatzerlöse Veränderungen bei verschiedenen, u. U. wesentlichen Bilanz- bzw. Ergebniskennzahlen ergeben können. Dies wiederum kann entsprechende Auswirkungen auf Verträge haben, die sich auf solche Kennziffern beziehen (z. B. Finanzkennzahlen in Kreditverträgen oder Tantiemeregelungen in Arbeitsverträgen).

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