Was bedeutet eigentlich: „Finanzinstrumente"?

Die PSP-Wirtschaftsprüfer erläutern, was man unter „Finanzinstrumenten" versteht.

Finanzinstrumente spielen für Unternehmen nahezu aller Branchen und Größenordnungen eine immer wichtigere Rolle. Häufig stellt sich dabei die Frage, wie und inwieweit diese in der Bilanz abzubilden oder Angaben dazu im Anhang oder Lagebericht von Nöten sind. Da der Gesetzgeber den Begriff des Finanzinstruments (bewusst) unbestimmt gelassen hat, stellt sich zunächst die Frage, was Finanzinstrumente eigentlich sind.

Ein Finanzinstrument ist ein gegenseitiger Vertrag, der bei einem Vertragspartner zu einem finanziellen Vermögenswert führt, während er für die andere Vertragspartei eine finanzielle Verbindlichkeit oder ein Eigenkapitalinstrument darstellt. Dabei wird zwischen originären und derivativen Finanzinstrumenten unterschieden.

Bei originären Finanzinstrumenten handelt es sich zumeist um Wertpapiere (insbesondere Aktien), die entsprechend in der Bilanz auszuweisen sind. Von einigen Sondervorschriften für Kreditinstitute abgesehen, kennt das deutsche Handelsrecht keine speziellen Vorschriften zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten. Ihre Bilanzierung hat daher nach den allgemeinen Grundsätzen der Rechnungslegung zu erfolgen. Anhangsangaben kommen nur insoweit in Betracht, als der Buchwert des originären Finanzinstruments über dessen beizulegenden Wert (Zeitwert) liegt und keine außerplanmäßige Abschreibung vorgenommen wurde (§285 Nr.18 HGB).

Derivative Finanzinstrumente (Derivate) hingegen sind als Fest­ oder Optionsgeschäfte ausgestaltete Termingeschäfte, die auf der Grundlage eines bestimmten Basiswerts abgeschlossen werden. Als mögliche Basiswerte kommen u. a. Wertpapiere (Aktien, Anleihen), finanzielle Kennzahlen (Zinssätze, Wechselkurse, Preisindizes) oder Handelsgegenstände (Rohstoffpreise) in Betracht. Durch die Kombination eines Grundgeschäftes mit einem zur Risikoabsicherung initiierten gegenläufigen Geschäft werden derivative Finanzinstrumente häufig zur gezielten Steuerung von Marktpreisrisiken eingesetzt. Gängige Derivate sind insbesondere Optionen, Futures, Termingeschäfte und Swaps.

Bei Derivaten handelt es sich zumeist um schwebende Geschäfte, die bilanziell zunächst nicht erfasst werden dürfen. Eingang in die Bilanz findet ein Derivat deshalb grundsätzlich nur dann, falls Anschaffungskosten angefallen sind oder Verluste drohen. Um die Jahresabschlussadressaten dennoch ausreichend über derivative Finanzinstrumente zu informieren, schreibt §285 Nr.19 HGB umfangreiche Anhangsangaben für alle großen und mittelgroßen Kapitalgesellschaften und Personenhandelsgesellschaften i. S. d. §264a Abs.1 HGB vor. So muss Art und Umfang, der beizulegende Zeitwert, die angewandte Bewertungsmethode des Derivats, gegebenenfalls ein vorhandener Buchwert sowie die Gründe dafür, warum der beizulegende Zeitwert nicht bestimmt werden kann, im Anhang angegeben werden. Der beizulegende Zeitwert des Finanzinstruments wird regelmäßig durch die Vertragsbanken ermittelt bzw. ist dort abfragbar. Für Derivate, die Gegenstand einer Hedge­Position sind und eine Bewertungseinheit nach §254 HGB darstellen, entfallen die zusätzlichen Angabepflichten des §285 Nr.19 HGB.

Für derivative Finanzinstrumente ist jeweils am Bilanzstichtag zu prüfen, ob aus den abgeschlossenen Verträgen Verluste zu erwarten sind, für die dann handelsrechtlich entsprechend eine Drohverlustrückstellung zu bilden ist. Unrealisierte Gewinne hingegen sind dem Realisationsprinzip folgend nicht auszuweisen. Laufende Zahlungen aus dem Derivat sind als Ertrag oder Aufwand GuV­-wirksam zu erfassen.

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