Künftig Steuerpflichtige zweiter Klasse? AEO für Umsatzsteuerzwecke kommt
Umsatzsteuer aktuell

Am 4. Oktober 2017 hat die Europäische Kommission dem Rat Vorschläge für eine grundlegende Reform des Mehrwertsteuerrechts vorgelegt (vgl. hierzu ausführlich unseren PSP USt-Beitrag vom 11.10.2017). Ein wesentlicher Bestandteil der Reformvorschläge ist dabei die Einführung des Konzepts des zertifizierten Steuerpflichtigen ab dem 1. Januar 2019. Entsprechend sollen künftig bestimmte mehrwertsteuerliche Vergünstigungen nur noch dann in Anspruch genommen werden können, wenn auch zertifizierte Steuerpflichtige an den Transaktionen beteiligt sind. Der Status eines Unternehmens als zertifizierter Steuerpflichtiger soll in das europäische Mehrwertsteuer-Informationsaustauschsystem (MIAS) eingebunden werden und damit grenzüberschreitend von den Unternehmen überprüfbar sein.

Zur Erlangung der „Zertifikation“ sollen Steuerbehörden einem Unternehmer künftig auf dessen Antrag bescheinigen, dass er als zuverlässiger (Mehrwert-)Steuerpflichtiger gilt. Der Antragsteller muss hierfür allerdings eine Reihen von Voraussetzungen erfüllen.

Der Antragsteller

  • darf keine schwerwiegenden oder wiederholten Verstöße gegen steuer- oder zollrechtliche Vorschriften begangen haben,
  • muss ein hohes Maß an Kontrolle seiner Tätigkeit und Warenbewegungen nachweisen,
  • muss seine Zahlungsfähigkeit nachweisen und
  • darf kein pauschalbesteuernder Landwirt, kein Kleinunternehmer, kein Steuerpflichtiger, der nur Umsätze ausführt, die den Vorsteuerabzug ausschließen oder kein nur gelegentlich Steuerpflichtiger

Die Anforderungen an den zertifizierten Steuerpflichtigen orientieren sich an dem bereits bestehenden zugelassenen Wirtschaftsbeteiligten für Zollzwecke (AEO C). Qualifiziert ein Unternehmen bereits als AEO C, wird die Erfüllung der Antragsvoraussetzungen unterstellt.

PSP-Anmerkung

Der Legislativ-Vorschlag der EU-Kommission wird nun den Mitgliedstaaten im Rat zur Zustimmung und dem Europäischen Parlament zur Stellungnahme vorgelegt. Sollte die Änderung der Mehrwertsteuersystemrichtlinie zum 1. Januar 2019 in Kraft treten, werden grenzüberschreitend tätige Unternehmen nicht darum herumkommen, den Status als zertifizierter Steuerpflichtiger schnellstmöglich zu beantragen. Allen Unternehmen, denen dieser Status in Zukunft fehlen wird, droht eine mehrwertsteuerliche Behandlung 2. Klasse.

Verfügen Sie bereits über den zollrechtlichen Status des AEO C, gelten die Antragsvoraussetzungen als erfüllt. Alle anderen Unternehmen müssen ihre Verwaltungsorganisation dahingehend anpassen, dass sie den Anforderungen an den zertifizierten Steuerpflichtigen zukünftig gerecht werden. Hierzu gehört insbesondere die Implementierung eines funktionierenden internen Kontrollsystems (IKS) als Teil eines Tax Compliance Management-Systems.

Unser PSP-Leitfaden für die Unternehmenspraxis zur Implementierung eines Tax Compliance Management-Systems gibt Ihnen dabei Hilfestellung und Klarheit in der praktischen Umsetzung.

Sprechen Sie uns gerne hierauf an!

Diese News könnten Sie auch interessieren
Alle News
Mehr laden
Diese Vorträge & Veröffentlichungen könnten Sie interessieren
Mehr laden