US-Steuerreform
Auswirkungen für deutsche Unternehmen mit US-Aktivitäten

In diesem Beitrag werden die wesentlichen Punkte und Neuerungen der aktuellen Steuerreformvorhaben der US-amerikanischen Regierung skizziert. Des Weiteren wird anhand von Beispielfällen dargelegt, welche möglichen Konsequenzen diese Pläne auf in den USA tätige deutsche Unternehmen hätten. Abschließend werden einige Handlungsempfehlungen für die derzeit vorherrschende Situation gegeben.

Die aktuelle US-Politik ist derzeit täglich Gegenstand der Medienberichterstattung. Nach der gescheiterten Gesundheitsreform rücken nun die Pläne für eine mögliche Steuerreform in den Fokus. Konkret geht es um die radikalen Reformvorhaben, welche maßgeblich von dem republikanischen Sprecher des Repräsentantenhaus Paul Ryan geprägt wurden und ihren Niederschlag im sogenannten Ryan-Paper gefunden haben. Obwohl die genaue Ausgestaltung derzeit noch unklar ist, würden sich aus den bereits bekannten Maßnahmen zum Teil tiefgreifende Veränderungen für die Unternehmensbesteuerung in den USA ergeben, von denen auch deutsche Unternehmen mit US-Aktivitäten betroffen wären.

Im Folgenden erhalten Sie einen ersten Überblick zum aktuellen Diskussionsstand (siehe unter 1.) sowie zu den möglichen Konsequenzen anhand von (stark vereinfachten) Beispielfällen (siehe unter 2.). Hinweise auf unmittelbaren Handlungsbedarf finden Sie am Ende dieses Beitrags (siehe unter 3.).

1. Überblick über die derzeit diskutierten Pläne

Die Kernpunkte des Entwurfs lassen sich im Ergebnis wie folgt zusammenfassen:

  • Umstellung der Unternehmensbesteuerung auf eine Cash-Flow-Besteuerung, d. h. der steuerpflichtige Unternehmensgewinn eines in den USA ansässigen Unternehmens würde sich aus der Differenz zwischen den zugeflossenen (steuerpflichtigen) Einnahmen und den (steuerlich abzugsfähigen) Ausgaben ermitteln („Corporate Cash-Flow Tax“; CFT).
  • Ergänzend zur Einführung der CFT wird die Einführung einer Grenzbesteuerung („Border Adjustment Tax“; BAT) diskutiert. Danach wären ins Ausland exportierte Güter bzw. ins Ausland erbrachte Dienstleistungen eines in den USA ansässigen Unternehmens von einer Besteuerung in den USA befreit, während gleichzeitig die für diese Exporte eingesetzten Produktionskosten voll abzugsfähig wären. Dagegen wären Kosten für die Importe eines in den USA ansässigen Unternehmens steuerlich nicht abzugsfähig. Das Konzept weist insoweit durchaus Parallelen zum derzeitigen Umsatzsteuer-System auf.
  • Senkung des Steuersatzes für in den USA ansässige Unternehmen von derzeit ca. 35 % (ohne State Tax und weitere lokale Steuern) auf ca. 20 % (bzw. 15 %).
  • Limitierung des Abzugs von Zinsaufwendungen auf die Höhe der Zinserträge (ähnlich der deutschen Zinsschranke).

2. Mögliche Konsequenzen für deutsche Unternehmen (Fallbeispiele)

Auch wenn die Konsequenzen bei einer entsprechenden Umsetzung der Maßnahmen im Detail noch nicht absehbar sind und die tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen insbesondere auch von volkswirtschaftlichen Determinanten wie den Wechselkursen beeinflusst sein dürften, lassen sich die grundsätzlichen Effekte der diskutierten Maßnahmen in stark vereinfachten Beispielfällen illustrieren.

Beispielfall 1:
Deutsches Unternehmen mit Direkt-Exporten in die USA – Steuerliche Diskriminierung

Ein deutscher Maschinenbauer exportiert an einen US-Kunden eine Maschine im Wert von USD 10.000.

Der US-Kunde kann die Anschaffungskosten für die Maschine weder unmittelbar, noch über Abschreibungen steuerlich geltend machen. Würde die Anschaffung jedoch von einem US-Unternehmen erfolgen, wären die Anschaffungskosten in Höhe von USD 10.000 steuerlich sofort aufwandswirksam (Cash-Flow Tax). Letzteres würde zu einer effektiven Steuerentlastung von 20 % im Jahr der Anschaffung und damit zu effektiven Anschaffungskosten von USD 8.000 für die Maschine führen. Im Beispielfall würde das deutsche Unternehmen damit steuerlich diskriminiert, da – Wechselkurseffekte u. ä. negiert – aus Sicht des US-Kunden die importierte Maschine im Vergleich zur Anschaffung einer identischen Maschine von einem US-Unternehmen effektiv um 20 % teurer ist. Im Ergebnis könnte dies zu einem erheblichen Preisdruck auf das deutsche Unternehmen und – in letzter Konsequenz – zu Überlegungen hinsichtlich der Anpassung der Wertschöpfungskette (wie z. B. der Gründung einer US-Tochter) führen.

Beispielfall 2:
Deutsches Unternehmen mit US-Vertriebstochter – Verrechnungspreise unter Druck

Ein deutscher Maschinenbauer produziert in Deutschland. Die fertigen Maschinen werden auf dem US-Markt über eine US-Tochter vertrieben. Endabgabepreis einer Maschine an US-Kunden sind USD 10.500. Verrechnungspreistechnisch wurde bisher für die US- Tochter mit einer Marge von ca. 5 % gerechnet, d. h. die US-Tochter hatte ihrerseits Anschaffungskosten für die Maschine in Höhe von USD 10.000.

Im Beispielfall kann der US-Kunde die Anschaffungskosten von USD 10.500 steuerlich sofort als Aufwand geltend machen und hat damit effektive Anschaffungskosten von USD 8.400. Die US-Tochter erzielt aus dem Verkauf der Maschine ihrerseits korrespondierende Einnahmen in Höhe von USD 10.500. Da der von der deutschen Mutter in Rechnung gestellte Einkaufspreis in Höhe von USD 10.000 steuerlich wegen des Imports der Maschine aus dem Ausland nicht geltend gemacht werden kann, unterläge bei der US-Vertriebstochter eine Bemessungsgrundlage in Höhe von USD 10.500 der US-Besteuerung. Bei einem Steuersatz von 20 % ergäbe sich hieraus für die US-Vertriebsgesellschaft eine Steuerbelastung von USD 2.100. Gleichzeitig würde in Deutschland der Abgabepreis in Höhe von USD 10.000 in die Berechnung der deutschen steuerlichen Bemessungsgrundlage einfließen. Es käme damit insoweit zu einer wirtschaftlichen Doppelbesteuerung. Aus Sicht des deutschen Mutterunternehmens ergäbe sich daher wohl zunächst der Anreiz, den Verrechnungspreis für die Leistungen an die US-Tochter möglichst niedrig anzusetzen. Hier würde jedoch der deutsche Fiskus entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht würde sich ein weiteres Problem stellen, da sich in einer Gesamtbetrachtung für die US-Tochter bei sonst unveränderten Bedingungen nach Steuern aus dem Geschäft ein Verlust ergäbe.

Beispielfall 3:
Etablierung einer eigenständigen US-Tochter

Im Hinblick auf die US-Steuerreformpläne beschließt der deutsche Maschinenbauer, in den USA eine eigenständige Tochtergesellschaft zu gründen, die in den USA die Maschine produziert. Hierdurch soll die steuerliche Diskriminierung (siehe Beispielfall 1) sowie eine mögliche wirtschaftliche Doppelbesteuerung (siehe Beispielfall 2) vermieden werden. Zum Aufbau der US-Tochter wird eine Task-Force bestehend aus Experten des deutschen Stammhauses gegründet, die insbesondere in der Anfangsphase der US-Tochter vor Ort mit ihrem Know-how unter die Arme greifen soll. Drei Jahre nach dem erfolgreichen Aufbau der US-Tochter kommt es zu einer Betriebsprüfung in Deutschland.

Sofern die skizzierten US-Pläne tatsächlich umgesetzt werden sollten, kann eine Überlegung in der Etablierung einer eigenständigen US-Tochter bestehen. Doch auch hier ist Vorsicht geboten, da die Verlagerung von Funktionen, Know-how und Ähnlichem in Deutschland eine sogenannte Exit-Besteuerung auslösen kann.

3. Fazit und Ausblick

Derzeit ist schwer abzuschätzen, wie wahrscheinlich eine Umsetzung der vorstehend skizzierten Reformpläne in den USA ist. Fraglich ist auch, wie international auf eine Einführung der Border Adjustment Tax-Elemente reagiert werden würde. Dazu gehören die USA der Welthandelsorganisation an, deren Mitglieder sich durch diverse Abkommen insbesondere auf den Abbau von Zöllen und Handelsbeschränkungen verpflichtet haben. Da hier eine neu eingeführte Besteuerung der Handelspartner quasi an der Staatsgrenze stattfinden soll, mithin die Steuerreform faktisch wie eine Art neuer Zoll verstanden werden kann, sehen bereits jetzt viele Kritiker einen Verstoß gegen die Regeln der Welthandelsorganisation. Allerdings ist eine Sanktionierung hier kurzfristig kaum möglich. In jedem Fall sind deutsche Unternehmen mit US-Aktivitäten jedoch gut beraten, zumindest die weiteren Diskussionen in den USA genau zu verfolgen. Anhand von Modellrechnungen könnten mögliche Auswirkungen auf das eigene Geschäftsmodell bereits plausibilisiert werden. Unmittelbarer Handlungsbedarf könnte sich bereits jetzt vor allem im Zusammenhang mit dem Abschluss (langfristiger) (Liefer-)Verträge ergeben, in denen z. B. Preisanpassungs- oder Kündigungsklauseln für den Fall der Umsetzung der Reformpläne verankert werden könnten. Gerne stehen wir Ihnen für Diskussionen in diesem Zusammenhang zur Verfügung.

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