Zeitenwende für Investmentfondsanleger

Mit dem Reformentwurf des Investmentsteuergesetzes reagiert der Gesetzgeber auf ein vorangegangenes Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), welches die deutsche Pauschalbesteuerung von Gewinnen aus intransparenten ausländischen Investmentfonds als europarechtswidrig bezeichnet. Erfolgte die Besteuerung von Erträgen aus Investmentfonds bislang ausschließlich auf Ebene des Investors, sollen Erträge künftig sowohl auf Ebene des Fonds als auch auf Ebene des Anlegers besteuert werden. Der Artikel setzt sich mit den wesentlichen Neuregelungen der Reform auseinander und zeigt des Weiteren, dass damit weitere Nachweispflichten, insbesondere hinsichtlich der Klassifizierung der Investmentfonds, einhergehen.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschied mit Urteil vom 09.10.2014, dass die deutsche Pauschalbesteuerung von Gewinnen aus intransparenten ausländischen Investmentfonds europarechtswidrig ist. Der Gesetzgeber war damit aufgefordert, eine Reform des Investmentsteuergesetzes in Angriff zu nehmen.

Mit dem Entwurf des Investmentsteuergesetzes plant der Gesetzgeber nun den großen Wurf. Erfolgte die Besteuerung von Erträgen aus Investmentfonds bislang ausschließlich auf Ebene des Investors (transparente Besteuerung), sollen Erträge künftig sowohl auf Ebene des Fonds als auch auf Ebene des Anlegers besteuert werden.

Auf Anlegerebene sollen Investmentfonds künftig differenziert der Abgeltungsteuer unterliegen: So sollen Erträge aus Aktienfonds zu 20 % von der Steuer befreit sein. Erträge aus Immobilienfonds sollen zu 40 % und bei überwiegendem Auslandsbezug zu 60 % von der Steuer freigestellt werden. Übrige Investmentfonds sollen keine Freistellung genießen. Die Freistellung ist sowohl auf die laufenden Erträge der Fonds als auch auf die Veräußerung oder Rückgabe der Fondsanteile anzuwenden.

Die Ausschüttungen der Fonds sollen, gegebenenfalls unter Berücksichtigung der dargestellten Teilfreistellung, der Abgeltungsteuer unterworfen werden. Daneben muss der Anleger mit Ablauf des Kalenderjahres eine sogenannte Vorabpauschale versteuern. Die Vorabpauschale ermittelt sich aus dem mit 80 % des Basiszinssatzes i. S. d. Bewertungsgesetzes (BewG) (derzeit: 0,99 %) multiplizierten Rücknahmepreis des Investmentfonds zu Beginn des Kalenderjahres, vermindert um die tatsächlichen Ausschüttungen des Fonds, beschränkt allerdings auf die tatsächliche positive Wertentwicklung des Fonds. Bei der Veräußerung des Fonds mindern die in der Besitzzeit angesetzten Vorabpauschalen den zu versteuernden Veräußerungsgewinn entsprechend.

Die Neuregelungen sollen ab dem 01.01.2018 in Kraft treten. Sämtliche zum 31.12.2017 gehaltenen Anteile gelten als veräußert und als zum 01.01.2018 angeschafft. Der aus der fiktiven Veräußerung resultierende Veräußerungsgewinn muss jedoch grundsätzlich erst im Rahmen der tatsächlichen Veräußerung versteuert werden.

Letztlich birgt die Neuregelung auch weitere Nachweispflichten, insbesondere hinsichtlich der Klassifizierung der Investmentfonds. Die Aktienquote eines Fonds, der nur in Einzeltitel investiert, mag relativ einfach nachzuweisen sein. Handelt es sich bei dem Fonds jedoch beispielsweise um einen Dachfonds, der wiederum in weitere Fonds investiert, kann der Anleger die tatsächliche Aktienquote ohne detaillierte Informationen über die Zusammensetzung des Fonds nur schwerlich nachweisen und verliert im Zweifel die Teilfreistellung. Des Weiteren streicht der Gesetzgeber mit der Veräußerungsfiktion den Altbestandsschutz. Nach Inkrafttreten der Neuregelung sind auch Investmentfonds, die vor dem 01.01.2009 angeschafft wurden, zumindest mit ihrer Wertsteigerung ab dem 01.01.2018 steuerverstrickt. Ferner führt die Neuregelung aufgrund der zusätzlichen Besteuerung auf Ebene des Fonds zu einer Steuermehrbelastung im Vergleich zu Direktinvestments. Wird der Entwurf umgesetzt, besteht frühzeitig erheblicher Handlungsbedarf, um den Nachteilen der Neuregelungen entgegenwirken zu können.

Gerne beraten wir Sie persönlich über die Auswirkungen der Reform des Investmentsteuergesetzes auf Ihr Wertpapierdepot sowie bei der Umstrukturierung Ihrer Anlagen.

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