Mit geerbten Vermögen Steuern sparen

Die Begünstigerregelung des § 29 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG bezweckt, die gemeinnützige Widmung von Vermögensgegenständen zu fördern. Welche verschiedenen Möglichkeiten es hierbei gibt und was bei den entsprechenden Modellen zu beachten ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Die Regelung gilt sowohl im Erbfall als auch bei Schenkungen. Der Erbe oder Beschenkte, der durch eine Weitergabe der Gegenstände nicht mehr bereichert ist, soll so gestellt werden, als hätte der Erblasser oder Schenker ein um den weitergegebenen Gegenstand vermindertes Vermögen übertragen. Die Erbschaftsteuer erlischt insoweit um den auf das weitergegebene Vermögen entfallenen Teil. Für die Nutzung der Regelung ist jedoch Eile geboten. Die Weitergabe etwa auf eine gemeinnützige Stiftung muss in der gesetzlich vorgeschriebenen 24-Monatsfrist abgeschlossen sein. Die Regelung kann z. B. als letzter Rettungsanker genutzt werden, wenn den Erben klar geworden ist, dass geerbtes Betriebsvermögen sich nicht für die Steuerbefreiungen des Erbschaftsteuergesetzes qualifiziert und der Erwerb Steuer auslöst. Für die Erben bedeutet die Weitergabe des Vermögensgegenstandes – etwa auf eine gegebenenfalls erst noch zu errichtende, gemeinnützige Stiftung – nicht unbedingt den Verlust jeglicher Einflussnahme auf das erworbene Vermögen. So können die Erwerber als Stifter mit der Festlegung des Stiftungszweckes und Gestaltung der Stiftungssatzung durchaus noch Einfluss darauf nehmen, dass der gemeinnützige Zweck sich mit ihrem Willen oder dem Willen des Erblassers deckt. Wichtige Voraussetzungen für das Eingreifen der Erlöschensvorschrift sind, dass der Erwerber von der gemeinnützigen Stiftung selbst keine Leistungen bezieht und er nicht einen Spendenabzug unter dem Einkommensteuer-, Körperschaftsteuer- bzw. Gewerbesteuergesetz in Anspruch nimmt.

Wählt der Erbe anstelle der Weitergabe des Vermögens die Leistung von Spenden, z. B. an die gemeinnützige Stiftung, so kann er – im gesetzlichen Rahmen – diese als Sonderausgaben geltend machen. Der Erbe, der sich zur Weitergabe von Vermögen entschlossen hat, muss daher prüfen, ob entweder der Wegfall der Erbschaftsteuer nach § 29 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG angestrebt wird oder die Inanspruchnahme der Spendenvorschriften ein für ihn steuerlich günstigeres Ergebnis bewirken kann. Nach § 10b Nr. 1a EStG kann der Spender einen Geldbetrag oder Sachvermögen von bis zu EUR 1 Mio. in den Vermögensstock einer gemeinnützigen Stiftung leisten und diesen Betrag dann in den nächsten zehn Jahren nach seinem Ermessen verteilt von seinem Gesamtbetrag der Einkünfte als Sonderausgaben zum Abzug bringen.

Soweit Kunstgegenstände zum Nachlass rechnen, ist eine weitere Begünstigungsvorschrift ins Kalkül zu ziehen. Nach § 224a AO kann ein Schuldner der Erbschaftsteuer durch öffentlich-rechtlichen Vertrag regeln, dass anstelle der Zahlung der anfallenden Steuer zur Tilgung der Schuld das Eigentum an Kunstgegenständen, Kunst- oder wissenschaftlichen Sammlungen, Bibliotheken, Handschriften oder Archiven auf das jeweilige Bundesland übertragen werden kann. Die geschuldete Steuer mindert sich in diesem Fall um den Verkehrswert der weitergegebenen Gegenstände. Allerdings möchte der Steuergesetzgeber wohltätige Vermögensübertragungen nicht nur im Nachgang von bereits vorgefallenen Erwerbsfällen unterstützen. Deshalb sind Zuwendungen, die an bestimmte Religionsgesellschaften und an andere kirchliche, gemeinnützige oder mildtätige Organisationen gemacht werden, im Allgemeinen von der Schenkung- bzw. Erbschaftsteuer befreit.

Bei der Schaffung steuergünstiger Strukturen unterstützen wir Sie gerne.

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