Klare Aussagen statt Formeltestat – Reform des Bestätigungsvermerks

Ab der Berichtssaison 2018/19 wird sich auch für mittelständische Unternehmen die Formulierung des Bestätigungsvermerks deutlich von der bisher gewohnten Praxis unterscheiden. Neben der bislang ausschließlich für sog. PIEs (Public Interest Entities) verpflichtenden Berichterstattung über besonders wichtige Prüfungssachverhalte („Key-Audit-Matters“) soll insbesondere eine Darstellung sowohl der Verantwortlichkeiten des Abschlussprüfers als auch der gesetzlichen Vertreter bei der Abschlusserstellung und -prüfung die Problematik der viel diskutierten „Erwartungslücke“ verringern.

Bislang war die Berichterstattung des Abschlussprüfers im Rahmen des Bestätigungsvermerks stark formalisiert und dessen Aussagekraft daher entsprechend eingeschränkt. Mit der zentralen Aussage eines uneingeschränkten Bestätigungsvermerks „Unsere Prüfung hat zu keinen Einwendungen geführt“ sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass der geprüfte Abschluss ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des geprüften Unternehmens darstellt. Welche strittigen Themen im Rahmen der Abschlussprüfung diskutiert und durch den Abschlussprüfer gewürdigt wurden beziehungsweise welche (unwesentlichen) Prüfungsdifferenzen ggf. bestehen, ist aus dem für mittelgroße und große Kapitalgesellschaften veröffentlichungspflichtigen Bestätigungsvermerk jedoch nicht ersichtlich.

Die insgesamt stark formalisierte und verkürzte Berichterstattung trug jedoch nicht dazu bei, das Problem der sog. „Erwartungslücke“ zu reduzieren, ganz im Gegenteil. Gerade die Abschlussadressaten, die auf das Testat des Abschlussprüfers vertrauen, haben oftmals höhere Erwartungen an die Aussagekraft des Bestätigungsvermerks, als dieser tatsächlich bietet. Um diesem Problem zu begegnen, wurde die Formulierung des Bestätigungsvermerks grundlegend geändert. Bisher vertrauliche und nicht veröffentlichte Bilanzierungsthemen werden so – zumindest bei Unternehmen des öffentlichen Interesses (sog. Public Interest Entities, kurz „PIE“) – künftig allen Abschlussadressaten bekannt. Allerdings kommt es auch bei Non-PIEs zu grundlegenden Änderungen. Ursache hierfür ist insbesondere die EU-Abschlussprüferverordnung (EU-APrVO) bzw. die sich daraus ergebenden neu gefassten berufsrechtlichen Vorgaben des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) zu den Pflichtinhalten des Bestätigungsvermerks.

Key-Audit-Matters als zentraler neuer Bestandteil (nur bei PIEs)

Den Kern der Neuerung bildet die Mitteilungspflicht sogenannter besonders wichtiger Prüfungssachverhalte (Key-Audit-Matters, kurz „KAM“) gemäß IDW PS 401. Diese Regelung betrifft jedoch nur Unternehmen von öffentlichem Interesse (PIEs). Als PIE gelten in Deutschland neben kapitalmarktorientierten Gesellschaften im Wesentlichen Banken und Versicherungen. Für Unternehmen, die nicht hierunter fallen, ist die Berichterstattung nur verpflichtend, wenn diese ausdrücklich schriftlich auf Wunsch des Unternehmens vereinbart ist.

Gemäß IDW PS 401 muss der Abschlussprüfer im Bestätigungsvermerk in diesem Zusammenhang nun Sachverhalte beschreiben, die aus seiner Sicht am bedeutsamsten für die Prüfung des Abschlusses waren und die mit den für die Überwachung des Unternehmens Verantwortlichen erörtert wurden. Dabei ist jeder einzelne Sachverhalt unter einer eigenen Überschrift zu beschreiben. Die Beschreibung muss eine Begründung für die Bestimmung des Sachverhalts als KAM, die Darstellung, wie der Sachverhalt in der Prüfung berücksichtigt und auf diesen reagiert wurde, ggfs. diesbezügliche Feststellungen sowie zudem Verweise auf entsprechende Anhangsangaben enthalten. Da dies für PIEs bereits für Geschäftsjahre anzuwenden war, die nach dem 16. Juni 2016 begonnen haben, lässt sich die Auswirkung auf solche Bestätigungsvermerke bereits beobachten. Die bisher veröffentlichten Abschlüsse zeigen, dass die entsprechenden Sachverhalte sehr ausführlich behandelt werden. So nimmt der Umfang des Bestätigungsvermerks von bislang etwa zwei auf bis zu acht Seiten zu. Der Bestätigungsvermerk und seine Aussagekraft werden damit insgesamt deutlich individualisiert.

Umfangreiche Änderungen auch für den Mittelstand (Nicht-PIEs)

Auch für Unternehmen, die nicht als PIE zu klassifizieren sind, ändern sich Aufbau und Formulierung des Bestätigungsvermerks grundlegend. Das Prüfungsurteil ist zukünftig bereits zu Beginn des Bestätigungsvermerks zu formulieren. Zudem wird das Unabhängigkeitserfordernis des Abschlussprüfers deutlich hervorgehoben und die Verantwortung der gesetzlichen Vertreter und ggfs. des Aufsichtsrats für den Abschluss und den Lagebericht ausführlich dargestellt. Des Weiteren wird sehr ausführlich die Verantwortung des Abschlussprüfers im Zusammenhang mit der Abschlussprüfung beschrieben. Insbesondere wird herausgestellt, dass der Bestätigungsvermerk nur mit hinreichender Sicherheit eine Aussage darüber trifft, dass der Abschluss frei von wesentlichen falschen Darstellungen ist. Es wird dadurch verdeutlicht, dass der Bestätigungsvermerk gerade keine Garantie für die Aufdeckung aller wesentlichen falschen Darstellungen ist.

Mit diesen Formulierungen, die auch in Bestätigungsvermerken von PIEs zu finden sind, soll dem Abschlussadressaten die Bedeutung des Bestätigungsvermerks verdeutlicht und insofern die Diskrepanz zwischen der Erwartung an den Bestätigungsvermerk und dessen tatsächlicher Aussagekraft verringert werden.

Neben den Regelungen für einen sog. uneingeschränkten Bestätigungsvermerk wurden auch die Regelungen für die Modifizierung von Prüfungsurteilen neu gefasst (nun IDW PS 405). Die entsprechenden neuen Berufsgrundsätze fallen im Vergleich zu den bisherigen Regelungen im IDW PS 400 a.F. deutlich ausführlicher aus und können in Grenzfällen, in denen bisher beispielsweise eine Einschränkung des Prüfungsurteils vertretbar war, künftig die Abgabe eines versagten Prüfungsurteils erfordern. 

Anwendung für Nicht-PIE grundsätzlich ab 2018

Die dargestellten Neuregelungen sind für Nicht-PIEs verpflichtend regelmäßig für Abschlüsse anzuwenden, die nach dem 15. Dezember 2017 beginnen, also für Abschlüsse zum 31. Dezember 2018 bei kalendergleichem Wirtschaftsjahr.

Gesellschaften, deren Bestätigungsvermerk zukünftig um Angaben zu KAMs erweitert werden muss, könnten künftig ihren Stakeholdern zu ebendiesen KAMs vermehrt Auskünfte und Informationen erteilen müssen, da die ggfs. strittigen Themen allen Abschlusslesern bekannt werden. Für Gesellschaften, die hiervon nicht betroffen sind, ändert sich jedoch ebenfalls der Aufbau des Bestätigungsvermerks grundlegend. Dies kann bei Stakeholdern, die davon überrascht werden, zunächst für Verwirrung sorgen, da das „gewohnte“ Formeltestat wegfällt. Eine frühzeitige Information der Stakeholder kann insofern möglichen Irritationen vorbeugen. Wenn Sie bereits vor Vorlage eines neuen Bestätigungsvermerks in der Berichtssaison 2018/19 nähere Informationen wünschen, stehen Ihnen die PSP Audit Experten gerne zur Verfügung.

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