Prüfung des Lageberichts im Rahmen der Abschlussprüfung folgt neuen Regeln

Umfassende Überarbeitung des IDW Standards PS 350 n. F.

 Der Hauptfachausschuss (HFA) des Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW) hat am 25.01.2018 die neue Fassung des IDW PS 350 n. F. zur Prüfung des Lageberichts im Rahmen der Abschlussprüfung offiziell verabschiedet. Dabei ist der Standard auf Berichtszeiträume anzuwenden, die am oder nach dem 15.12.2018 beginnen. Abgesehen von Rumpfgeschäftsjahren ist der Standard entsprechend für das Wirtschaftsjahr 2019 erstmals anzuwenden. 

Die bisher geltende Fassung IDW PS 350 a. F. wurde bereits im Jahre 1998 veröffentlicht; seitdem ergaben sich eine Vielzahl von Gesetzesänderungen oder Standards, die neu eingeführt wurden, wie etwa der DRS 20. So war insgesamt eine erhebliche Zunahme der qualitativen und quantitativen Lageberichtsangaben, teilweise über die gesetzlichen Anforderungen hinaus, zu beobachten. Die aktuelle umfassende Überarbeitung des PS 350 ist letztlich an diesen Entwicklungen ausgerichtet. 

Klassifizierung von Lageberichtsangaben

 Eine der wesentlichen Neuerungen des IDW PS 350 n. F. stellt die nun vorzunehmende Klassifizierung der Lageberichtsangaben in lageberichtstypische und lageberichtsfremde sowie prüfbare und nicht prüfbare Angaben dar. Aufgrund der Praxisrelevanz wird im Folgenden im Wesentlichen auf den Unterschied der sogenannten lageberichtstypischen bzw. -fremden Angaben eingegangen. 

Die gesetzlichen Anforderungen nach §§ 289 bis 289f, 315 bis 315d HGB und DRS 20 bilden das Rahmenwerk der lageberichtstypischen Angaben. Lageberichtsfremde Angaben werden entsprechend negativ abgegrenzt. Ergänzend wird unterschieden in Angaben nach §§ 289 und 289a sowie 315 und 315a HGB, welche einer inhaltlichen Prüfung durch den Abschlussprüfer zu unterziehen sind, und den Angaben nach §§ 289b bis 289f bzw. 315b bis 315f HGB (sogenannte nichtfinanzielle Berichterstattung und Erklärung der gesetzlichen Vertreter), welche nur einer formellen Prüfung unterzogen werden, d. h. ob die Angaben auch faktisch gemacht wurden.

Lageberichtsfremde Angaben, bei denen es sich im Wesentlichen um qualitativ zu beschreibende bzw. „werbende“ Angaben handeln wird, sind dabei ab dem Geschäftsjahr 2019 durch den Ersteller des Lageberichts eindeutig als „ungeprüft“ zu kennzeichnen. Beispiele hierfür sind Aussagen zur Produktqualität („Wir fertigen die besten Produkte“) oder zu sonstigen nichtfinanziellen Leistungsindikatoren („Wir haben die besten Mitarbeiter“). Identifiziert der Abschlussprüfer im Rahmen seiner Prüfung lageberichtsfremde Angaben ohne eine derart eindeutige Kennzeichnung, so muss entweder eine vollumfängliche inhaltliche Prüfung oder aber eine entsprechende Abgrenzung dieser ungeprüften Angaben im Bestätigungsvermerk erfolgen. Dies umfasst zugleich eine Kennzeichnung als ungeprüfte Angaben sowie eine kritische Würdigung dieser sonstigen Informationen durch den Abschlussprüfer nach ISA 720 E-DE, welche als solche auch im Bestätigungsvermerk zu benennen sind.

Prüfung des Lageberichts

 Der IDW PS 350 n. F. überträgt den risikoorientierten Prüfungsansatz gedanklich auf die Prüfung des Lageberichts. Demzufolge hat sich der Abschlussprüfer einerseits ausreichend mit den für den Lagebericht relevanten Vorkehrungen und Maßnahmen (auch Systeme genannt) zu befassen; andererseits ist ein Verständnis über den Prozess der Lageberichtserstellung zu erlangen. Dabei besteht die Zielsetzung darin, eine Beurteilung der Risiken wesentlicher falscher Darstellung im Lagebericht vorzunehmen und Reaktionen auf die identifizierten Risiken festlegen zu können. Dabei gilt es allerdings zu beachten, dass Systeme je nach Größe und Komplexität des Unternehmens unterschiedlich ausgeprägt sein können und der Abschlussprüfer im Rahmen seiner Prüfungsplanung diesen Umstand zu berücksichtigen hat. 

Neben der eigentlichen Prüfung des Lageberichts ist daher Mehraufwand für beide Seiten zu erwarten. Der Abschlussprüfer wird trotz Prozess- und Systemverständnis in der betrieblichen Praxis nicht auf (Einzel-) Prüfungshandlungen verzichten können, um eine hinreichende Sicherheit der angemessenen Darstellung des Lageberichts erlangen zu können. Für den Mandanten ergibt sich im Erstanwendungszeitraum gegebenenfalls Mehraufwand aufgrund der internen Dokumentation des Prozess- und Erstellungsablaufs. Danach hat ein jährliches Update der bestehenden Prozesse durch den Abschlussprüfer zu erfolgen.

Fazit

Der IDW PS 350 n. F. verlangt vom Prüfer stärker als bisher die Erlangung eines Verständnisses dazu, wie die Aussagen im Lagebericht zustande kommen. In Bezug auf die lageberichtstypischen Angaben hat der Abschlussprüfer seine Prüfungshandlungen derart auszugestalten, dass die Risiken für wesentlich falsche Angaben abgedeckt werden. Aufgrund der Anforderungen zu lageberichtsfremden Angaben ist gegebenenfalls eine entsprechende Bereinigung des Lageberichts um solche Angaben überlegenswert. Es empfiehlt sich daher, frühzeitig in Abstimmung mit dem Abschlussprüfer zu gehen, um eine effiziente Jahresabschlussprüfung zu gewährleisten.

Diese News könnten Sie auch interessieren
Alle News
Mehr laden
Diese Vorträge & Veröffentlichungen könnten Sie interessieren
Mehr laden