Der Wohnsitzwechsel ins Ausland als ungeahnte Steuerfalle
Unternehmensbeteiligungen bei Verzug ins Ausland bzw. Schenkung an im Ausland ansässige Personen

Wer seinen Wohnsitz in das Ausland zu verlegen beabsichtigt, hat in der Regel mannigfaltige persönliche, administrative und logistische Vorbereitungen zu treffen. Dass der Schritt über die Grenze zudem auch Einkommensteuer in Deutschland für einen Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft auslösen kann, ist dabei häufig unbekannt und kann daher schnell zu Versäumnissen bei den Steuererklärungspflichten führen. Entsprechendes gilt aber etwa auch im Fall der schenkweisen Übertragung von Unternehmensbeteiligungen an im Ausland lebende Personen. Bei entsprechenden Vorhaben sollte der steuerliche Berater daher frühzeitig involviert werden, um ggf. Alternativen aufzeigen zu können.

Besteuert wird der Auslandsverzug einer Person, welche mindestens zehn Jahre in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig war und innerhalb der letzten fünf Jahre vor Aufgabe ihres inländischen Wohnsitzes zudem (un-)mittelbar zu mindestens 1 % an einer in- oder ausländischen Kapitalgesellschaft beteiligt war. Der deutsche Fiskus behandelt diesen Sachverhalt – bei gänzlicher Aufgabe des inländischen Wohnsitzes – als (fiktive) Veräußerung entsprechender Gesellschaftsanteile. Für die Ermittlung des (fiktiven) Veräußerungsgewinns ist als Veräußerungspreis der gemeine Wert der Beteiligung zugrunde zu legen.

Ein solcher Veräußerungsgewinn unterliegt dabei im Rahmen des sog. Teileinkünfteverfahrens in Höhe von 60 % dem individuellen Einkommensteuertarif. Um im Rahmen der Einkommensteuererklärung den (fiktiven) Veräußerungsgewinn zutreffend ermitteln zu können, ist im Übrigen regelmäßig eine Unternehmensbewertung vorzunehmen und dem Finanzamt vorzulegen.

Möglichkeit der zinslosen Stundung

Wird der Wohnsitz in einen Staat innerhalb der Europäischen Union bzw. des Europäischen Wirtschaftsraums verlegt, kann die sich auf den (fiktiven) Veräußerungsgewinn ergebende Einkommensteuer unter gewissen Voraussetzungen zinslos gestundet werden (siehe dazu PSP-Artikel vom 18.12.2019). In der Folge muss den deutschen Finanzbehörden allerdings jährlich in engen zeitlichen Grenzen die zum 31.12. des jeweiligen Vorjahres geltende Anschrift mitgeteilt und bestätigt werden, dass die Gesellschaftsanteile dem Wegzügler weiterhin zuzurechnen sind. Andernfalls kann eine gewährte Stundung widerrufen werden, sodass die Einkommensteuer an das Finanzamt unmittelbar abzuführen ist.

Die Übertragung von Unternehmensbeteiligungen auf im Ausland ansässige Personen

Allerdings kann nicht nur ein Auslandsverzug zu der (fiktiven) Veräußerung einer wesentlichen Unternehmensbeteiligung führen. Auch wenn entsprechende Gesellschaftsanteile vererbt oder verschenkt werden und der Erbe oder Beschenkte im Ausland lebt, treten entsprechende steuerliche Konsequenzen ein.

Der praktische Anwendungsfall

In der Praxis sind solche Konstellationen häufig in Unternehmerfamilien anzutreffen, in denen die Unternehmensnachfolge (ggf. frühzeitig) eingeleitet und zu diesem Anlass erste Gesellschaftsanteile am Unternehmen auf die – z. B. aktuell im Ausland studierenden oder arbeitenden – Kinder und/oder Enkelkinder übertragen werden sollen oder bereits übertragen wurden. Die Übertragung von Gesellschaftsanteilen auf im Ausland ansässige Personen kann dabei – neben erbschaft- bzw. schenkungsteuerlichen Aspekten, über die sich Schenker und Beschenkter in der Regel bewusst sind – insoweit auch die Besteuerung der anteiligen stillen Reserven in den übertragenen Unternehmensanteilen nach sich ziehen. In diesem Fall obliegt die Meldepflicht dem Schenker.

Fazit

Mit Blick auf die steuerlichen Implikationen eines Auslandsverzugs bzw. der Schenkung von Unternehmensanteilen an im Ausland ansässige Personen sollten entsprechende Vorhaben unbedingt mit ausreichendem zeitlichen Vorlauf durch den Steuerberater geprüft und von diesem begleitet werden. Dies gilt insbesondere, wenn im Fall eines hohen oder sehr hohen Unternehmenswerts mit einer signifikanten Steuerbelastung zu rechnen ist.

Zögern Sie also nicht damit, sich an uns zu wenden – vor allem auch um Versäumnisse bei den Steuererklärungspflichten und hieraus etwaig resultierende steuerstrafrechtliche Vorwürfe zu vermeiden.

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