Privaten Edelmetall-Anlegern – Xetra-Gold bleibt steuerfrei
Handlungsempfehlungen für Investoren zum Jahressteuergesetzes 2020

Im Rahmen des Jahressteuergesetzes 2020 sollten auf Gold und andere Edelmetalle basierende Wertpapiere für Privatanleger in die Gewinnbesteuerung fallen, so die Überlegungen des Gesetzgebers noch im Sommer diesen Jahres. Der Regierungsentwurf zum JStG 2020 vom 2. September 2020 lässt diesbezüglich jedoch aufatmen.

Gerade in Krisenzeiten, in denen klassische Währungs- und Bankensysteme vermehrt als unsicher wahrgenommen werden, gelten vielen Anlegern Gold und andere Edelmetalle als sicherer Hafen. Dass durch die anhaltende Niedrigzinspolitik Zinsen für Sparanlagen immer weniger entscheidungsrelevant sind, verstärkt den Trend zur Investition in den Geldersatz Edelmetall, was mitunter dazu führt, dass der Preis für eine Feinunze am 5. August 2020 erstmals die historische Marke von 2.000 USD überschritten hat.

Während der Kauf von physischem Gold aufgrund der Kosten für Lagerung, Versicherung sowie hoher An- und Verkaufsspannen der Edelmetallhändler gerade Kleinanlegern die Rendite abschmilzt, locken kostengünstige, depotfähige Investmentprodukte, wie das sogenannte Xetra-Gold. Dieses von der Deutschen Börse Commodities GmbH emittierte Produkt verbrieft als Schuldverschreibung den Anspruch des Investors auf jederzeitige Lieferung von physischem Gold. Der Besitzer dieses Wertpapiers profitiert so einerseits von der Stabilität des Basiswertes Gold, er partizipiert an seiner Kursentwicklung, bei einer gleichzeitig hohen Fungibilität eines Wertpapiers, welches jederzeit zu kalkulierbaren Gebühren über die Börse gehandelt werden kann. Kursgewinne entstehen damit nicht nur in den Büchern des eigenen Depots, sondern können zu vertretbaren Kosten auch tatsächlich realisiert werden.

Obendrein werden Produkte mit auf Edelmetallen basierenden Wertpapieren mit verbrieftem Lieferanspruch als abgeltungssteuerfrei beworben. Zurecht, denn die aktuelle Rechtslage stellt Veräußerungsgewinne aus Forderungen, bei denen statt der Rückzahlung des geleisteten Geldbetrags eine Sachleistung gewährt wird, steuerfrei, sofern der Anleger die Papiere länger als ein Jahr in seinem Depot gehalten hat. Damit ist es unter Berücksichtigung der Haltefrist steuerlich unerheblich, ob ein Investor Edelmetalle physisch als Barren oder verbrieft als Wertpapier gekauft hatte.

Mit Referentenentwurf des Bundesministeriums der Finanzen zum Jahressteuergesetz 2020 (JStG 2020) mit Bearbeitungsstand vom 17. Juli 2020 drohte der Steuerfreiheit des Xetra-Goldes das Aus. Konkret war geplant, den Tatbestandskatalog für Einkünfte aus Kapitalvermögen des § 20 Abs. 1 Nr. 7 S.1 EStG dahingehend zu erweitern, dass explizit Kapitalanlagen erfasst werden sollen, „welche auf die Lieferung von Gold und anderen Edelmetallen gerichtet […] und wirtschaftlich mit Zertifikaten vergleichbar sind.“.

Der Regierungsentwurf zum JStG 2020 vom 2. September 2020 sieht nun aber keine derartige Regelung mehr vor. Ver­äu­ße­rung­s­er­geb­nisse aus sol­chen Gold-Anlagen blei­ben in der Folge nur nach § 23 Absatz 1 Num­mer 2 EStG steu­erpf­lich­tig und damit außer­halb der Jah­res­frist regel­mä­ßig steu­er­f­rei.

Es sind und bleiben demnach nicht nur jene Investoren steuerlich begünstigt, welche Eigentümer von physischen Barren oder Münzen sind, sondern auch Anleger, die in Zertifikate mit Auslieferungsanspruch investieren (z.B. Xetra-Gold). Anlegern mit dem Wunsch in Goldanlagen zu investieren, sei demnach weiterhin geraten, neben der physischen Hinterlegung des Zertifikats, zur Absicherung des Investments, auch auf einen Auslieferungsanspruch zu achten, denn nur dieser sichert unverändert die Steuerfreiheit nach Ablauf der Jahresfrist. Daneben empfehlen wir, das Gesetzgebungsverfahren im Zusammenhang mit Instrumenten wie dem Xetra-Gold genau zu beobachten, um rechtzeitig auf Änderungen reagieren zu können. Unser Family Office Team steht Ihnen gerne im Zusammenhang mit Ihrem Gold-Investment beratend zur Seite, so dass auch hier wirtschaftliche wie steuerliche Kriterien gleichermaßen Berücksichtigung finden.

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