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AI Conference 2026

Wie KI beginnt, steuerliche Arbeit neu zu organisieren

Am 3. März 2026 fand in Frankfurt bereits zum dritten Mal die AI Conference statt. Steuerexpertinnen und -experten, Unternehmensvertreter, Berater und Entwickler zeigten, wie KI bereits heute  den steuerlichen Alltag unterstützt. Dabei wurde deutlich: Die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine verändert sich aktuell grundlegend.


Die Konferenz versteht sich als Brennglas aktueller Entwicklungen, Debatten und Chancen. Neben dem Bühnenprogramm war die AI Discovery Area ein zentraler Bestandteil der Veranstaltung. Dort konnten Besucher Anwendungen ausprobieren, Use Cases diskutieren und mit Entwicklern sprechen. KI sollte hier nicht nur erklärt, sondern erlebbar werden.

Den diesjährigen Auftakt machten Michel Braun, Stefan Groß und Dr. Jenny Köppe-Karkutsch. Ihre Botschaft zum Start: KI ist längst kein abstraktes Zukunftsthema mehr. Die entscheidende Frage lautet inzwischen, wie wir konkret mit ihr im Team zusammenarbeiten.


Der Leitgedanke der Konferenz: Nicht Mensch oder Maschine – sondern Mensch und Maschine.

Aya Jaff über Vertrauen im KI-Zeitalter

Die diesjährige Keynote hielt Aya Jaff. Ihr Thema: Vertrauen in einer Welt, in der künstlich erzeugte Inhalte immer überzeugender werden.


Deepfakes, synthetische Stimmen und generierte Bilder verändern bereits heute die Art, wie Informationen entstehen und verbreitet werden. „Deepfakes haben das Potenzial, unsere Gesellschaft zu verändern“, sagte Jaff. Anhand mehrerer Beispiele zeigte sie, wie leicht sich Stimmen oder Nachrichten manipulieren lassen und welche Folgen das für Kommunikation, Politik und Wirtschaft haben kann.


Ein weiterer Schwerpunkt ihres Vortrags lag auf sogenannten agentischen KI-Systemen: Digitale Assistenten, die eigenständig Aufgaben auf Computern ausführen können. Diese Systeme eröffnen neue Möglichkeiten, werfen aber auch Sicherheitsfragen auf, etwa wenn sie Zugriff auf Dateien, E-Mails oder Systeme erhalten.

Der plAIground: KI als Betriebssystem

Im Anschluss präsentierten Michel Braun, Stefan Groß und Daniel Scherzer die aktuelle Entwicklungsstufe des plAIground.


Die Idee dahinter: KI nicht nur als Chat-Tool nutzen, sondern als integrierte Arbeitsumgebung für steuerliche Analyse; als AI Operating System for Tax.


In einer komplett neuen Ausbaustufe kombiniert der plAIground unterschiedliche Wissensquellen – interne Dokumente, Unternehmensdaten, SharePoint-Instanzen, DATEV-Systeme oder Fachverlagsinhalte. Diese Informationen lassen sich simultan adressieren und über einen Multi-Chat zur Beantwortung heranziehen und bilden damit zugleich die Basis für das Expert Panel.

Das Expert Panel – Hybride Teams werden Realität

Der wohl spannendste Teil der Konferenz war die Vorstellung des Expert Panel, eines Ansatzes, der die Arbeit im Steuerbereich neu definiert. Denn in der Praxis wird eine anspruchsvolle steuerliche Fragestellung selten nur von einer Person beantwortet. In Kanzleien oder Steuerabteilungen entsteht die Lösung meist im Austausch mehrerer Spezialisten – etwa aus den Bereichen Umsatzsteuer, internationales Steuerrecht oder auch GoBD. Genau dieses Prinzip überträgt das Expert Panel in die digitale Welt. Mehrere spezialisierte KI-Agenten analysieren eine Fragestellung parallel aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven. Jeder Agent greift dabei auf eigene Wissensquellen zurück und bringt seine Argumente in eine strukturierte Diskussion mit den anderen Agenten ein – im Sinne von „Rede und Gegenrede“. Ein virtueller „Dirigent“ bewertet anschließend die Beiträge, führt die Argumente zusammen und erstellt daraus eine konsolidierte Antwort. So entsteht für den steuerlichen Experten kein bloßes KI-Ergebnis, sondern ein fachlich fundierter, breit beleuchteter Ausgangspunkt für die weitere Bearbeitung – mit der Möglichkeit, die Diskussion mit dem Expert Panel gezielt weiterzuführen.

Wenn KI Teil des Teams wird

In der Session „AI Agents – Vom Buzzword zum Einsatz in hybriden Teams“ diskutierten Dr. Jenny Köppe-Karkutsch und Daniel Scherzer, wie solche Systeme künftig in Arbeitsprozesse integriert werden können.


Dabei ging es weniger um spektakuläre Zukunftsvisionen als um die praktische Zusammenarbeit zwischen Menschen und KI. In diesem Zusammenhang ging es auch um hybride Teams – Teams, in denen menschliche Expertise und KI-Unterstützung zusammenwirken.

Die Tax-Abteilung der Zukunft

Im Panel „AI Impact (1) – Die Tax-Abteilung der Zukunft“ diskutierten Andrea Jacob, Christian Malisius und Dominik Wellmann über den Einsatz von KI in Steuerabteilungen von Unternehmen.


Ein zentrales Thema war u. a. die Datenbasis. KI kann Analysen nur so gut durchführen, wie die zugrunde liegenden Daten. Gleichzeitig müssen Steuerabteilungen mit komplexen IT-Landschaften und unterschiedlichen Vorsystemen umgehen.


Neue Technologien betreffen deshalb nicht nur Tools, sondern auch Organisation, Prozesse und Zusammenarbeit innerhalb von Unternehmen.

KI vor Gericht

Ein Programmpunkt, der besonders in Erinnerung blieb, war die Session „KI vor Gericht – Wenn Algorithmen streiten“ mit Michel Braun, Michael Krebbers und Stefan Werner.


Die Diskussion wurde in Form einer szenischen Gerichtsverhandlung dargestellt. Dabei ging es um die Frage, wie KI-generierte Schriftsätze in juristischen Verfahren eine Rolle spielen können. Die Darstellung zeigte, welche Fragen dabei entstehen: Wie prüft man Quellen? Wer trägt Verantwortung? Und welche Rolle spielt der Mensch, wenn KI Inhalte erstellt?


Die Antwort blieb klar: KI kann juristische Arbeit unterstützen, die Entscheidung liegt weiterhin beim Menschen.

KI in der Steuerberatung

Am Nachmittag ging es um die Perspektive der Kanzleien. Im Panel „AI Impact (2) – Die Steuerberatung der Zukunft“ diskutierten Martin Grau, Philip Kleinefeld, Eugen Müller und Carsten Schulz, wie KI heute bereits in Kanzleien eingesetzt wird.


Neben technischen Fragen ging es vor allem um Organisation: Schulung, Prozessverständnis und der Umgang mit neuen Werkzeugen spielen eine entscheidende Rolle.

Vom Chatbot zur Plattform

In der Session „Scalable AI – vom Chatbot zur Enterprise Solution“ diskutierten Emmanuel Beule, Michel Braun, Martin Loibl und Stefan Werner, wie KI-Anwendungen von ersten Experimenten zu skalierbaren Lösungen werden.


Dabei wurden Beispiele für individuell entwickelte Anwendungen und Analysewerkzeuge gezeigt, etwa Tools zur Visualisierung komplexer Unternehmensstrukturen.

Fazit

Die AI Conference 2026 zeigt deutlich, wie sich der Einsatz von KI im Steuerbereich weiterentwickelt.


Während früher einzelne Tools im Mittelpunkt standen, rückt heute stärker die Frage in den Fokus, wie Wissen, Systeme und Arbeitsprozesse miteinander verbunden werden können.


Besonders das Konzept des Expert Panels zeigt diese Entwicklung: Es überträgt die Zusammenarbeit verschiedener Fachperspektiven in eine digitale Umgebung  und macht damit sichtbar, wie KI künftig Teil der steuerlichen Arbeit werden kann.