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Eigenkapitalkosten im Fokus

Eigenkapitalkosten sind ein zentraler Parameter der Unternehmensbewertung. Sie bestimmen maßgeblich, mit welchem Zinssatz künftig erwartete finanzielle Überschüsse auf den Bewertungsstichtag abgezinst werden. Damit beeinflussen sie auch unmittelbar die Bewertung von Unternehmensbeteiligungen sowie von Geschäfts- oder Firmenwerten im Rahmen von sogenannten Impairment-Tests. Bereits geringe Änderungen der Eigenkapitalkosten können dabei zu spürbaren Wertänderungen führen.


Nach dem Capital Asset Pricing Model (CAPM) setzen sich die Eigenkapitalkosten aus dem risikolosen Basiszins und dem Risikozuschlag zusammen. Der Risikozuschlag ergibt sich aus der Marktrisikoprämie (MRP) und dem unternehmensspezifischen Betafaktor. Die Formel lautet: Eigenkapitalkosten = Basiszinssatz + MRP × Betafaktor.


Die MRP stellt dabei die zusätzliche Rendite dar, die Investoren für die Übernahme des Risikos von Unternehmensbeteiligungen erwarten. Der Betafaktor berücksichtigt das relative Risiko des zu bewertenden Unternehmens im Vergleich zu einer durchschnittlichen Unternehmensbeteiligung.

Basiszinssatz seit 2022

Nach einer längeren Phase niedriger Zinsen begann die Europäische Zentralbank (EZB) im Jahr 2022 mit der Anhebung der Leitzinsen. Parallel dazu stieg auch der risikolose Basiszinssatz, der aus Renditen von Anleihen der öffentlichen Hand abgeleitet wird. Während der risikolose Basiszinssatz Anfang 2022 noch bei rund 0,10 % lag, belief er sich Anfang 2025 auf rund 2,50 %. Bis Ende 2025 stieg der risikolose Basiszinssatz dann auf rund 3,25 % an und liegt Ende August 2026 bei rund 3,50 %. Das Zinsniveau hat sich damit innerhalb weniger Jahre deutlich erhöht.

Neue IDW-Empfehlung

Die deutsche Bewertungspraxis orientiert sich bei der Festlegung der MRP regelmäßig an den Empfehlungen des Fachausschusses für Unternehmensbewertung und Betriebswirtschaft (FAUB) des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW). Der FAUB hat seine seit Oktober 2019 geltende Bandbreitenempfehlung im September 2025 von 6,00 % bis 8,00 % auf 5,25 % bis 6,75 % (jeweils vor persönlichen Ertragsteuern) angepasst. Hintergrund der Anpassung war u. a. das gestiegene Zinsniveau. Gemessen am Mittelwert reduzierte sich die MRP damit von 7,00 % auf 6,00 %.

Auswirkungen auf die Eigenkapitalkosten

Wird die Entwicklung von Anfang 2025 bis heute betrachtet, wirken sich Basiszinssatz und MRP gegenläufig auf die Eigenkapitalkosten aus. Bei einem unternehmensspezifischen Betafaktor von 1,0 kompensiert eine Senkung der MRP um 1 Prozentpunkt den Anstieg des Basiszinssatzes von 2,50 % auf 3,50 % vollständig. Die Eigenkapitalkosten liegen zu beiden Zeitpunkten bei 9,50 %. Bei einem unternehmensspezifischen Betafaktor von weniger als 1,0 fällt die Kompensation geringer aus. Für einen unternehmensspezifischen Betafaktor von 0,6 steigen die Eigenkapitalkosten bspw. von 6,70 % Anfang 2025 auf aktuell 7,10 %.


Über einen längeren Zeitraum ergeben sich deutliche Veränderungen. Bei einem unternehmensspezifischen Betafaktor von 1,0 liegen die Eigenkapitalkosten heute mit rund 9,50 % um 2,4 Prozentpunkte über dem Niveau von Anfang 2022 mit rund 7,10 %. Ein solcher Anstieg der Eigenkapitalkosten führt unter sonst gleichen Bedingungen zu einer wesentlichen Verringerung des Unternehmenswerts. Besonders betroffen davon sind Unternehmen mit hohen Unternehmensbeteiligungen und Geschäfts- oder Firmenwerten, die bereits vor der Zinswende nur geringe Werthaltigkeitspuffer aufwiesen. Hier besteht die Gefahr wesentliche Wertberichtigungen vornehmen zu müssen – mit entsprechenden ergebniswirksamen Belastungen.