Worauf muss geachtet werden?
Solche Situationen sind vielschichtig, eine monokausale Betrachtung und Beratung verbietet sich daher. Vielmehr müssen mehrere Ebenen gleichzeitig im Blick behalten werden. Ein zentrales Element ist dabei die externe Kommunikation. Öffentlichkeitsarbeit muss juristisch einwandfrei, dabei aber erkennbar Kommunikation und keine „veröffentlichte Schriftsatzliteratur“ sein. Anwaltliche Schriftsätze gehören in das Verfahren, nicht ins Netz. Flankierend ist eine Verteidigungsstrategie gegen erhobene Vorwürfe zu entwickeln. So ist zu klären, ob eigene Ansprüche - etwa Regressansprüche gegen Dritte - durchgesetzt werden können. Von Beginn an ist insbesondere der bestehende Versicherungsschutz sorgfältig zu prüfen, etwa im Hinblick auf D&O-Versicherungen für Organmitglieder oder Industriehaftpflichtversicherungen für Unternehmen. Verteidigungsstrategie, Durchsetzung eigener Ansprüche, versicherungsrechtliche Fragestellungen und externe Kommunikation sollten dabei von Anfang an integriert betrachtet und strategisch aufeinander abgestimmt werden.
Gibt es besondere Anforderungen?
Anspruchsvoll wird es bei grenzüberschreitenden Sachverhalten. Unterschiedliche Rechtsordnungen bedeuten auch unterschiedliche Verfahrensregeln. In angelsächsischen Jurisdiktionen nach Discovery (USA) bzw. Disclosure-Prinzipien (UK) kann eine umfängliche Offenlegung von Informationen und Unterlagen erzwungen werden. Ein Umfang, den kontinentaleuropäische Verfahren so nicht kennen. In Produkthaftungsfällen treten zudem Marktüberwachungsbehörden auf den Plan. Ihre Eingriffsbefugnisse reichen dabei bis zu Vertriebsverboten.
Anything else?
Ja - gerade die Pressearbeit verdient besondere Aufmerksamkeit. Ob und in welchem Umfang gegen eine möglicherweise unzutreffende Berichterstattung vorgegangen werden sollte, ist sorgfältig abzuwägen. Jede presserechtliche Maßnahme kann selbst wieder zur Nachricht werden und die öffentliche Aufmerksamkeit erhöhen. Deshalb ist eine strategisch geplante Pressearbeit sinnvoller als eine reine „Presse-Litigation“ mit dem Ziel: to win (also) the court of public opinion.