Europa setzt auf „Real-time Umsatzsteuer“

Vor dem Hintergrund des massiven Umsatzsteuerbetruges erwägen immer mehr europäische Staaten auf das sogenannte Clearance-System umzustellen. Bei diesem aus Südamerika bereits seit Jahren bekannten Meldesystem werden Unternehmen dazu verpflichtet, ausgewählte Rechnungsdaten an den Fiskus zur weiteren Kontrolle zu übermitteln. Der Charme dieses Systems liegt neben der Eliminierung bekannter Betrugsmodelle insbesondere darin, dass es für eine entsprechende Einführung keiner Änderung der Mehrwertsteuersystemrichtlinie bedarf.

Den ersten Schritt in diese Richtung wagte Spanien, wonach bereits seit 01.07.2017 Unternehmen dazu verpflichtet wurden, bestimmte umsatzsteuerrelevante Angaben zu Aus- und Eingangsrechnungen zeitnah an das Finanzamt zu übermitteln. Diesem Trend folgt aktuell Ungarn und macht seinerseits die Übermittlung von Rechnungsdaten an die Finanzverwaltung ab dem 01.07.2018 zur Pflicht. Einen Schritt weiter will Italien gehen und die Unternehmen ab dem 01.01.2019 verpflichten, Rechnungen gar flächendeckend lektronisch auszustellen und über das offizielle Austauschsystem „Sistema di Interscambio“ (Sdl) zu versenden. 

Mit dem verpflichtenden Versand von E-Rechnungen wird es dem Fiskus letztlich möglich, die entsprechende Umsatzsteuerschuld exakt zu berechnen und mit den Angaben in der Umsatzsteuer-Voranmeldung abzugleichen. Zugleich wird dadurch die Datengrundlage geschaffen, den Vorsteuerabzug an die korrespondierend  gemeldete Umsatzsteuerschuld zu koppeln und damit bekannte Betrugsszenarien bei der Umsatzsteuer frühzeitig zu bekämpfen.

Der nächste logische Schritt könnte  entsprechend darin bestehen, den jeweiligen Vorsteueranspruch auf Rechnungs- bzw. Transaktionsebene mit der gemeldeten Umsatzsteuerschuld abzugleichen. Die Auszahlung des jeweiligen Vorsteuervergütungsanspruchs könnte dann – vorbehaltlich einer Zulässigkeit durch die Mehrwertsteuersystemrichtlinie – faktisch an die Anmeldung bzw. Abführung der korrespondierenden Umsatzsteuerschuld geknüpft werden. Werden zudem die sich aus der Blockchain-Technologie ergebenden Möglichkeiten genutzt, den Zahlungsverkehr über virtuelle Währungen abzubilden, ließe sich ein intrinsisches System bestehend aus Real-time-Deklaration und  permanenter Steuerentrichtung etablieren.

Sollten die Modelle in Spanien, Ungarn und Italien zum Erfolg führen und zugleich auch administrierbar sein, ist es eine Frage der Zeit, bis andere Länder wie auch Deutschland nachziehen und ebenfalls die Einführung eines „Clearance-Systems“ erwägen. Gleichzeitig sollte dies jedoch zwingend dazu genutzt werden, die heute bereits überbordenden Rechnungsvorgaben, die letztlich auch dazu dienen, den Vorsteueranspruch zu begründen, zu reduzieren, um auf diese Weise den Unternehmen entgegenzukommen. Dies wäre eine enorme Entlastung für die Wirtschaft, würde Bürokratiekosten senken und wäre damit zugleich ein gewichtiges Argument für die Unternehmen, dieses System zu unterstützen. Fortsetzung folgt.

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