Grundlegende Steuerreform in USA

Das US-Repräsentantenhaus und der US-Senat haben sich auf eine einheitliche Version der US-Steuerreform verständigt. Lediglich die Unterschrift des Präsidenten steht noch aus, damit die Reform ab dem 1. Januar 2018 Inkrafttreten kann.

Die Zielsetzung der US Steuerreform Tax Cuts and Job Act besteht in erster Linie in einer Modernisierung des bestehenden US-Steuersystems. Hierüber soll die Wettbewerbsfähigkeit von US-amerikanischen Unternehmen gestärkt, Wirtschaftswachstum erzeugt und neue Arbeitsplätze in den USA geschaffen werden. Darüber hinaus soll die Mittelschicht steuerlich entlastet werden. Insgesamt sollen mit der Reform Steuerentlastungen in Höhe von USD 1.800 Mrd. für die kommenden zehn Jahre einhergehen. Nachfolgend werden die wesentlichen Änderungen für Unternehmen kurz dargestellt:

Körperschaftssteuer

Die Reform sieht eine Senkung des Körperschaftsteuersatzes ab dem 1. Januar 2018 von derzeit 35 % auf 21 % vor. Die Herabsetzung hat zur Folge, dass die Nominalbelastung auf Basis des gewichteten Durchschnittes der Steuersätze der Bundesstaaten (Federal Tax zzgl. State Tax) damit von 38,9 % auf 25,75 % sinken wird. Entsprechend dürfte sich die Besteuerung von US-amerikanischen Unternehmen im Mittelfeld der OECD-Staaten wiederfinden. Durch die Reduzierung des Körperschaftsteuersatzes wird es in einigen Staaten gar zu einer effektiven Steuerbelastung von weniger als 25 % kommen. In derartigen Fällen gelten Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen als niedrig besteuert, weshalb es zur Anwendung der deutschen Hinzurechnungsbesteuerung kommen kann.

Sofortabschreibung

Durch die temporäre Einführung einer Sofortabschreibung soll Unternehmen künftig die Möglichkeit eröffnet werden, bestimmte Wirtschaftsgüter bereits im Jahr der Anschaffung vollständig abzuschreiben. Das Instrument der vollständigen Sofortabschreibung ist ab dem 1. Januar 2018 für die kommenden fünf Jahre möglich. Ab dem 1. Januar 2023 soll dann eine zeitliche Ablösung (vierjähriges phasing out) der vollständigen Sofortabschreibung einsetzen.

Grenzüberschreitende konzerninterne Leistungsbeziehungen

Die Reform sieht eine Einschränkung der Abzugsfähigkeit von konzerninternen Leistungen über eine „Base erosion and anti-abuse tax“ (BEAT) vor. BEAT entspricht somit einer Art Mindestbesteuerung, welche für konzerninterne Leistungsbeziehungen in die USA anfällt. Im Jahr 2018 beträgt die Höhe der Mindeststeuer 5 %, in den Jahren 2019 – 2025 10 %, ab 2016 sollen dann 12,5 % fällig werden. Somit werden Leistungsbeziehungen (Dienstleistungen, Lizenzen) zwischen in- und ausländischen Konzerneinheiten zusätzlich besteuert, sofern diese Leistungsbeziehungen 3 % der gesamten Betriebsausgaben in USA überschreiten (Bagatellgrenze). Dabei wird vorausgesetzt, dass die konzerninternen Zahlungen über 50 % des jeweiligen US-Gewinns aufzehren und es sich um einen multinationalen Konzern mit mehr als USD 500 Mio. Konzernumsatz handelt. Konzerninterne Warenlieferungen, die als Cost Of Goods Sold gelten, sind hingegen nicht einzubeziehen. Gleiches gilt für konzerninterne Services, die anhand der Service Cost Method (ohne Gewinnaufschlag) abgerechnet werden.

Repatriierung

Die Deemed Repatration Of Deferred Foreign Income ermöglicht es US-Unternehmen bzw. verpflichtet diese gar, ihre in der Vergangenheit erwirtschafteten und im Ausland thesaurierten Gewinne steuerermäßigt auszuschütten (Repatriierung). Liquide Mittel werden dabei mit 15,5 % besteuert, andere Vermögensgegenstände mit 8 %. Unternehmen, die ihre Gewinne entsprechend zurückholen, können die Steuerzahlungen ratierlich, verteilt auf acht Jahre, tätigen.

Territoriales Steuersystem

Bislang wurden im Ausland erwirtschaftete Gewinne in den USA erst bei Repatriierung unter Anrechnung der ausländischen Steuer besteuert. Nun ist eine Besteuerung gemäß dem Territorialprinzips vorgesehen, wonach aus dem Ausland empfangene Dividenden steuerfrei gestellt werden, wenn an der ausländischen Gesellschaft während eines Zeitraums von 731 Tagen über 365 Tage eine Beteiligung von mehr als 10 % besteht.

Zinsschranke

Bislang waren Zinsen grundsätzlich abzugsfähig. Nun ist eine Beschränkung dieser Abzugsfähigkeit, ähnlich der deutschen Zinsschranke, vorgesehen. Danach dürfen Zinsen nur bis zu einem Betrag von 30 % des Adjusted Taxable Income abgezogen werden. Das Adjusted Taxable Income entspricht in den Jahren bis 2021 in etwa dem EBITDA, danach in etwa dem EBIT.

Verlustverrechnung und Alternative Minimum Tax (AMT)

Zukünftig soll eine Verlustverrechnung nur in Höhe von 80 % des zu versteuernden Einkommens zulässig sein. Zudem wird der Verlustrücktrag abgeschafft. Dafür wird auch die AMT für Unternehmen abgeschafft. 

Ob von der US-Steuerreform die erhofften Wirkungen ausgehen, wird die Zukunft zeigen. In jedem Fall bieten die Entwicklungen in den USA auch Chancen für deutsche Unternehmen mit US-amerikanischen Tochtergesellschaften, die von den Steuervergünstigungen ebenfalls profitieren werden. Sollte die US-Konjunktur durch die Steuerentlastungen spürbar angekurbelt werden, wird dies auch positive Effekte auf die deutsche Wirtschaft haben.

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