Private Veräußerungsgewinne aus Kryptowährungen

„Bitcoin-Anlegern droht Ärger mit der Steuer“ titelt die FAZ am 23.01.2018. Die möglichen Steuereinnahmen des deutschen Fiskus aus dem Bitcoin-Boom und den damit verbundenen rasanten Kurszuwächsen werden dabei auf etwa EUR 726 Mio. geschätzt: Doch vielen Anlegern ist unklar, wie die Kursgewinne aus den Kryptowährungen letztlich zu ermitteln und zu versteuern sind.

Mittlerweile existieren über 3.000 verschiedene Kryptowährungen, welche aus Ertragssteuersicht sogenannte andere Wirtschaftsgüter, wie beispielsweise Gold, darstellen. Soweit die Veräußerung der virtuellen Währungseinheiten im Privatbereich erfolgt, unterliegt ein möglicher Veräußerungsgewinn der Steuerpflicht, soweit zwischen Erwerb und Veräußerung der Kryptowährung nicht mehr als ein Jahr liegt. Veräußerungen außerhalb der einjährigen Spekulationsfrist sind im Privatvermögen von der Einkommensteuer befreit. Als Veräußerung gilt dabei nicht nur der Rücktausch der Kryptowährung in Euro, sondern auch der Umtausch einer Kryptowährung gegen eine andere virtuelle Währung (z. B. Bitcoin in Ether) sowie der Einsatz der Kryptowährung als Zahlungsmittel für Waren oder Dienstleistungen.

Der Veräußerungsgewinn ermittelt sich stets als Differenz zwischen den Anschaffungskosten und dem Veräußerungspreis. Fallen entsprechende Veräußerungsgewinne an, so gewährt der Fiskus eine jährliche Freigrenze von EUR 600. Wird die Freigrenze überschritten, sind sämtliche realisierte Veräußerungsgewinne steuerpflichtig. Verluste, die innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist erzielt werden, können nur mit steuerpflichtigen Veräußerungsgewinnen aus sogenannten anderen Wirtschaftsgütern verrechnet oder auf künftige Jahre vorgetragen werden. Eine Verrechnung der Verluste mit anderen Einkünften (z. B. nichtselbstständigen Einkünften) ist hingegen ausgeschlossen.

Ein gewisse Unsicherheit bei der Ermittlung des steuerpflichtigen Gewinns besteht, soweit die virtuellen Währungen sukzessive angeschafft bzw. wieder veräußert werden. Während bei Fremdwährungen gesetzlich das sogenannte Fifo-Verfahren anzuwenden ist (die zuerst angeschafften Währungseinheiten gelten als zuerst veräußert), fehlt es bei anderen Wirtschaftsgütern an einer klaren Regelung. So äußerten sich das Finanzministerium Hamburg und die Bundesregierung jüngst dahingehend, dass auch hier das Fifo-Verfahren anzuwenden sei. Anders der Bundesfinanzhof, welcher in der Vergangenheit stets die sogenannte Durchschnittsbewertung favorisiert hat. Danach wäre aus dem gegebenenfalls über verschiedene Wallets (elektronische Geldbörsen) verteilten Bestand der jeweiligen virtuellen Währung der Durchschnittswert zu ermitteln. Bleibt abzuwarten, welche Methode sich durchsetzt. Unabhängig davon ist dem Steuerpflichtigen anzuraten, sowohl Zeitpunkt als auch Kurs der Transaktionen mit Kryptowährungen exakt vorzuhalten. 

Dabei stellt gerade die Dokumentation der Veräußerungsgeschäfte eine technische Herausforderung an den Steuerpflichtigen dar. Die gängigen Wallets verfügen in der Regel über keine Funktion, sämtliche Transaktionen und Tranchen steuerlich korrekt abzubilden. Der Anleger wird daher die umfangreiche Dokumentation meist selbst händisch anfertigen und vorhalten müssen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass noch nicht abschließend geklärt ist, welches der beiden oben erläuterten Verfahren bei der Gewinnermittlung anzuwenden ist, empfehlen wir dringend, der Finanzverwaltung eine möglichst klare und vollständige Dokumentation sämtlicher steuerrelevanter Veräußerungsgeschäfte vorzulegen. 

Gerne stehen wir Ihnen mit unserer Expertise zur Besteuerung von Kapitalerträgen zur Verfügung und unterstützen Sie bei der Dokumentation Ihrer steuerrelevanten Vorgänge.

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