Vergütung von Reisezeiten

Mit seiner Entscheidung vom Oktober 2018 hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) einen weiteren Mosaikstein in der nahezu unüberschaubaren Rechtsprechung zur Behandlung von Reisezeiten gesetzt. Die genannte Entscheidung, die auch vielfach durch die Presse ging, liegt zwar noch nicht vollständig vor, das BAG hat im Kern allerdings wohl vorgegeben, dass die Reisezeiten grundsätzlich im Interesse des Arbeitgebers liegen und mithin – unabhängig von dem konkret entschiedenen Fall – als grundsätzlich vergütungspflichtig anzusehen sind.

Wozu sich das BAG jedoch ausgeschwiegen hat, ist die weitergehende Frage, ob derartige vergütungspflichtige Reisezeiten auch als Arbeitszeiten anzusehen sind. So ist nicht auszuschließen, dass innerhalb eines Arbeitsverhältnisses künftig die geleistete Arbeitszeit und die zu vergütenden Stunden auseinanderfallen. Gestaltet sich eine Arbeitswoche eines Mitarbeiters so, dass er beispielsweise am Montag 15 Stunden Direktflug zu seinem Arbeitsort hat, an den Tagen Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag dort jeweils zehn Stunden arbeitet und am Samstag wieder zurückfliegt, so wäre nach der Interpretation der vorliegenden Entscheidung wohl davon auszugehen, dass der Mitarbeiter in dieser Woche 40 Stunden gearbeitet hat, allerdings 70 Stunden (40 Stunden Arbeit Dienstag bis Freitag zuzüglich zweimal 15 Stunden Flug) vergütet erhält. So handelte es sich auch in dem konkret vom BAG entschiedenen Fall um eine Auslandsreise.

Umso mehr empfiehlt es sich, die Frage der vergütungspflichtigen Stunden sowie der als Arbeitszeit zu wertenden Stunden zu überprüfen, entsprechend einheitliche Regelungen zu treffen und diese den Mitarbeitern zu kommunizieren.

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