Kein Werbungskostenabzug für Kosten der Erstausbildung
Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 19.11.2019

„Die Erstausbildung oder das Erststudium unmittelbar nach dem Schulabschluss vermittelt nicht nur Berufswissen, sondern prägt die Person in einem umfassenderen Sinne, indem sie die Möglichkeit bietet, sich seinen Begabungen und Fähigkeiten entsprechend zu entwickeln und allgemeine Kompetenzen zu erwerben, die nicht zwangsläufig für einen künftigen konkreten Beruf notwendig sind.“

Dieser Kernsatz – ganz im Sinne des Sprichworts: Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen – entstammt dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG), in dem das Abzugsverbot von Erstausbildungskosten als Werbungskosten für verfassungsgemäß erklärt wurde. Gemeint ist damit, dass die Erstausbildung oder das Erststudium eine besondere Nähe zur Persönlichkeitsentwicklung aufweist und dementsprechend die hierfür angefallenen Aufwendungen als privat (mit-)veranlasst qualifizieren.

Seit 2004 dürfen Aufwendungen in Zusammenhang mit einer erstmaligen Berufsausbildung oder eines Erststudiums (sogenannte Erstausbildung) nicht mehr als (vorweggenommene) Werbungskosten steuermindernd geltend gemacht werden, sondern sind nur noch bis zu einem Höchstbetrag von EUR 6.000 als Sonderausgaben abziehbar.

Dies betrifft insbesondere das Bachelorstudium, aber auch Medizin-, Pharmazie- oder Lehramtsstudenten sowie die – besonders kostenintensive – Pilotenausbildung. Nicht von dem Begriff der Erstausbildung erfasst sind dagegen Ausbildungen im Rahmen eines Dienstverhältnisses, ein nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung aufgenommenes Studium, konsekutive (Master-)Studiengänge sowie die Promotion. 

Die Berücksichtigung der Aufwendungen (wie z. B. Fachbücher, Miete für das WG-Zimmer, Kosten des Auslandssemesters und gegebenenfalls auch Studien- oder Ausbildungsgebühren) als Werbungskosten hätte den Vorzug, dass diese bei fehlendem Einkommen während des Studiums in einen Verlustvortrag münden, welcher im späteren Berufsleben dann mit dem (Erwerbs-)Einkommen verrechnet werden kann – sich also in späteren Jahren steuermindernd auswirkt. Diese Behandlung ist insbesondere dann von Vorteil, wenn hohe Kosten für das Studium oder die Ausbildung anfallen, wie dies bei Piloten der Fall. Zu denken wäre aber auch an ein (Bachelor-)Studium in den USA oder Großbritannien, wo oftmals hohe Studiengebühren die Regel darstellen.

Doch all dies bleibt Wunschdenken, welches durch die Entscheidung des BVerfG endgültig zunichte gemacht wurde. Die Kosten bleiben wie bisher nur als Sonderausgaben berücksichtigungsfähig. Dabei gilt: Eine Berücksichtigung von Ausbildungs- bzw. Studienkosten als Sonderausgaben – und begrenzt auf maximal EUR 6.000 – kommt nur dann in Betracht, wenn (im Jahr des Anfalls der Kosten) entsprechend hohe Einkünfte erzielt werden – was bei vielen Studierenden wohl eher nicht der Fall sein wird. Somit laufen die Kosten zumeist ohnehin ins Leere und sind steuerlich (in späteren Jahren) nicht nutzbar.

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